Die Existenz einer Reise

Es ist 6 Uhr morgens in Los Angeles. Ich fahre mit der Bahn nach Hause. Es ist die Bahn von Köln bis nach Weiden. Den Blick aus dem Fenster gerichtet, sehe ich die Tropfen länglich dagegen schlagen. Es ist 28 Grad auf den Seychellen. Der Bahnfahrer sagt eine Verzögerung aufgrund eines vorausfahrenden Zuges durch. Der Zug steht bereits einige Minuten. In San Francisco würde man in weniger als 1 Stunde den Sonnenaufgang beobachten können. Der Zug setzt sich langsam wieder in Bewegung. Die Fahrt geht weiter. In Australien kann man tagsüber mit Delfinen schwimmen. Die Bahn hielt wieder und wieder. In Bali kann man gerade den Sternenhimmel betrachten. Das laute Rumoren der Gleise ließ die Durchsage der nächsten Bahnhaltestelle untergehen. Man würde bald das Wrack der Titanic besuchen können. Der Zug blieb stehen, das Drücken des Knopfes, das Öffnen der Türen und der anschließende Ausstieg. Die tägliche Reise konkurriert mit der eigenen Gedankenreise. Fantasiereisen. Die große, weite Welt scheint von hier aus so unerreichbar wie Narnia. Dabei existiert sie parallel zu der eigenen Alltagswelt. Und mit etwas Mut würde ich eines Tages in der prahlen Mittagssonnen die glänzenden Iguazú-Wasserfälle in Brasilien sehen.

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Weihnachten

Manchmal dauert es bis man das Ende einer Geschichte findet. Ich weiß noch, wie ich mein Ende fand. Als ich ihm damals auf dem Weihnachtsmarkt begegnete, hätte ich es nicht für möglich gehalten. Seine rote Nase leuchtete mir entgegen, während er mich mit einem Lächeln im Gesicht ansprach. Magisch war es vielleicht nicht, aber geschmeichelt fühlte ich mich durchaus. Die Magie kam erst später. Mit jedem ersten Kuss, jedem ersten Streit, jeder Versöhnung. Dinge, die einen zusammenschweißten. Er gab mir neben seiner Nummer, einen Glühwein aus. Dieser war rot und dunkel. Wie mein Lippenstift an dem Tag. Ich wusste schon immer, dass Männer eher dazu geneigt waren auf meine Lippen zu starren, wenn ich Lippenstift trug. Er dagegen schaute mir nur in die Augen. Als würde er dort etwas entdecken können, was er sonst nirgendwo fand. Und was auch immer er darin sah, es bewegte ihn dazu sich immer weiter mit mir zu treffen. Bis schließlich Weihnachten war. Und er mich seiner Familie vorstellen wollte. Ich spürte die Aufregung in jeder Faser meines Körpers; das leichte Zittern, wenn ich nur daran dachte. Manche Sachen gehen so schnell, wie ein Rausch, der an einen vorüberzieht ohne, dass man die Vergänglichkeit der Zeit bemerkte. Dieser Rausch war er. Was als kurzer Flirt nebenbei auf einem Weihnachtsmarkt begann, war nun das Ende der Kennenlerngeschichte. Gleichzeitig war es der Anfang eines gemeinsamen Lebens. Ob ich bereit für einen Anfang war, konnte ich gar nicht sagen, doch wenn ich an seine süße, rote Nase dachte, musste ich Lächeln. Und das reichte mir für den Anfang. Für unseren gemeinsamen Anfang.

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Eurovision Songcontest

Sie tanzte durch ihr Zimmer und träumte davon Keyboarderin beim Eurovision Songcontest zu werden. Für eine Sängerin fehlte ihr die Stimme. Außerdem gefiel ihr die Vorstellung eher im Hintergrund zu sein und trotzdem irgendwie gesehen zu werden. Sie wollte Musik mit ihrem Herzen schreiben; einen Song, der die Menschen bewegte und gleichzeitig unterhielt. Die Sache war nur: sie konnte kein Keyboard spielen. Noch nie in ihrem Leben klimperten ihre Finger über eine Taste. Sie war ahnungslos und doch brannte ein Feuer in ihr. Eine Melodie hatte sich in ihrem Kopf festgesetzt und sie wollte diese Melodie spielen können. Als kaufte sie sich ein Keyboard, um endlich die Melodie in ihrem Kopf spielen und sie der Welt zeigen zu können. Wie gerne würde sie ihrer Vorstellung echte Töne verleihen. Mehr als nur die vage Melodie in ihrem Kopf. Mit Erstaunen schaute sie sich jedes Jahr aufs Neue die Künstler beim Eurovision Songcontest an. Diesmal wünschte sie sich nur eine Sache: selbst dabei zu sein. Es fehlte nur ein gespieltes Stück und eine Sängerin, die ihrem Song eine Stimme verlieh. Und genau an dieser Stelle fing ihre Geschichte an. Sie fasste den Entschluss einen Eurovision-Song zu schreiben und eine Sängerin zu suchen, Schritt eins war die Bestellung eines Keyboards. Als es in ihrem Zimmer stand, glitten ihre Finger über die Tasten und spielten die ersten schrägen Töne. Da wusste sie, sie brauchte einen Lehrer. Und sie wusste genau, wen sie brauchte.

Ethans Haare hingen in seinem Gesicht, als würde er nicht gesehen werden wollen. Sie war sich nicht sicher, ob sie ihn wirklich fragen wollte. Doch er war der einzige Keyboardspieler, den sie kannte. Als sie ihn gerade ansprechen wollte, fing er an zu reden.
„Du brauchst einen Keyboardspieler?“, fragte er, während er sich lässig gegen die Wand lehnte. Sie schaute ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Woher weißt du das?“
 „Alle, die mich ansprechen brauchen früher oder später meine Keyboardkünste“, kommentierte er bloß achselzuckend.
„Okay, ich brauche also deine Keyboardkünste. Ich will es lernen. Kannst du es mir beibringen?“, fragte sie augenverdrehend. Sie war sich nicht sicher, ob es wirklich eine gute Idee war Ethan zu fragen. Er drehte sich zu ihr und sah sie mit einem breiten Grinsen an.
„Natürlich kann ich es dir beibringen. Freitag, 18 Uhr im Musikraum.“ Dann ging er den Schulflur hinunter und verschwand hinter der nächsten Ecke. Sie atmete erleichtert auf. Ihr Traum rückte, wenn auch nur ein kleines Stückchen mehr, in greifbare Nähe.

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If I could write a song

Wenn ich einen Song schreiben könnte, würde ich dir all die Sachen sagen, die ich dir so nicht sagen kann. Es wäre ein Song über uns. Ich würde dir all meinen Schmerz zeigen. Über ihn Singen mit tränenerstickter Stimme. Dir alles erzählen, was auf meinen Herzen lastet. Dir zeigen, wie große Angst ich habe zu verlieren. Dir den Schmerz meiner Vergangenheit zeigen. Dir zeigen, wie große Angst ich vor großen Gefühlen habe. Dich endlich an einem Stück über mich teilhaben lassen, den ich sonst nicht offenbare. Ich würde über alles Singen, was ich nicht sagen kann.

Doch ich spiele keine Saite. Kann meine Stimme nicht erheben. All mein Inneres bleibt unbesungen. So kann ich dir all die Dinge nicht vorsingen, die ich dir im wirklichen Leben nicht sagen kann. Wenn ich doch nur einen Song schreiben könnte…

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„Lady Di(e)“ oder „Wie es ist eine Prinzessin zu sein“

Inspiriert durch The Crown

Der Schmerz in meiner Brust war so groß, dass ich kaum Luft bekam. Genau wie die Krone auf meinem Haupt, während sich ihre Schwere in meine Kopfhaut drückte. Es fühlte sich an, als hätte jemand einen Stein daraufgelegt, der nun darauf wartete einen langsam zu erdrücken. Bis nichts mehr von einem übrigblieb. Doch das stimmte nicht ganz. Denn wenn ich gehen würde, würde immer ein Teil von mir bleiben. Meine beiden Jungs gehörten zu diesem Teil. Genau wie meine Fassade der schillernden Prinzessin. Nur würde mein Ende, den Glitzer dieser Welt langsam abblättern lassen.

Nichts bleibt für immer. Selbst Erinnerungen zerfließen bis sie irgendwann nichts weiter als Legenden sind. Das Leben fortzusetzen war die einzige Möglichkeit, die sich mir bot. Das Leben wirklich zu leben war hingegen das Einzige, was sich mir verbot. Also lebte ich weiter, ohne wirklich zu leben. Eine schillernde Fassade eines Abgrunds. Man akzeptiert es, ohne den Willen dahinter zu haben, der einem zum Weitermachen motiviert. Und dann macht man einfach weiter.

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Die Philosophie der Blätter

Tanzende Blätter fallen von den Bäumen. Mit ihnen falle auch ich. Die sonnige Zeit neigt sich dem Ende und wird durch die düstere Schwere ersetzt.

Wenn ich durch die tanzenden Blätter wandere, empfinde ich Freude und Wehmut. Freude, weil ich die letzten Sonnenstrahlen genieße. Wehmut, weil es die letzten wärmenden Strahlen in diesem Jahr sind. Nur ein sonniger Tag mehr, lauten meine Gebete gen Himmel. Manchmal werden sie erhört, manchmal nicht. Ich gehe durch all das mit offenen Armen, bevor ich sie wieder verschließe wie ein Blatt, welches Photosynthese betreibt. Jedes Blatt muss sich irgendwann vom Leben lösen, damit nach der düsteren, schweren Zeit neues Leben wachsen kann. Von Blättern kann man viel Lernen. Wie man entsteht und wieder vergeht. Als sei das Leben nur ein Jahreszeitenzyklus. Am Ende, kurz vor der ewigen Finsternis, fragt man sich, ob man alles getan, alles erlebt hat, was man wollte. Und dann fällt man einfach ab. Landet im matschigen Boden. Zerfällt in seine Einzelteile. Bis nichts mehr von einem übrig bleibt.

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Sonnenlicht und Regentropfen (Eine Kurzgeschichte)

Das Sonnenlicht umspielte ihre Nase, während das Gras auf dem sie lag, sanft ihre Ohren kitzelte. Immer wenn sie leicht die Augen öffnete, blendete sie das Sonnenlicht so stark, dass sie das Gefühl bekam, selbst im Himmel zu sein. Genau das waren die Momente in denen sie sich am Lebendigsten fühlte. Als sei sie frei von allem. Es gab nur sie und den Moment. Nichts anderes. In dem Moment, wo ihre Augen von dem hellen Licht erleuchtet wurden und sie nur noch weiß sah, stellte sie sich selbst in Weiß vor. Das weiße Brautkleid mit dem sie eines Tages vor Johnny stehen würde. Ihren Schwarm, ihrer Liebe. Sie redeten gelegentlich miteinander und immer, wenn er lächelte und dabei in ihre Augen sah, wurde sie ganz rot und verlegen. Früher hatte man sie immer mit einer roten Tomate verglichen, wenn sie rot wurde. Dabei wäre sie so gerne eine Erdbeere für ihn gewesen. Süß, verboten und unwiderstehlich. Keine Beilage. Sie wollte seine Braut sein. Und als sie so da lag, mitten im Garten, während sie von der Sonne wie vom Rampenlicht angestrahlt wurde, stellte sie sich vor, dass er das eines Tages auch so wollte. Ihr Herz klopfte wild bei der Vorstellung.

Der Regen floss an ihrer Fensterscheibe hinunter, während sie am Schreibtisch saß und über verflossene Liebe schrieb. Der Regen erinnerte sie an Hochwasser und an Menschen, die von den Wassermassen mitgerissen wurden. Die Welt drehte sich für sie weiter, würde aber dennoch nie mehr dieselbe für sie sein. Sie schloss kurz an diesem getrübten Tag die Augen und dachte kurz an die Vergangenheit. Johnny hatte sie für eine Andere verlassen. Sie wurde ersetzt und blieb schließlich alleine zurück. Dabei sagte er ihr einst, sie sei was Besonderes. Man könne Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Doch am Ende war sie genau das und keine Hauptspeise. Etwas, das man nur zwischendurch aß. Sie sah einen Regentropfen dabei zu, wie er die Fensterscheibe hinunterwanderte. Sich anschließend mit anderen Tropfen vermischte. Ihr Herz zog sich bei dem Gedanken an all das zusammen.

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Blumentopf – Eine Kurzgeschichte

Sie grub vorsichtig die Erde in den Topf. Dort wartete bereits die Wurzel ihrer neuen Staude eingepflanzt zu werden. Mit ihren Händen, die von dicken Garten-Handschuhen überzogen sind, grub sie nach und nach die Erde aus dem Sack in den Topf. Nachdem sie fertig war, betrachtete sie ihr Werk, welches auf dem Stadtbalkon eines Hochhauses in der Stadt, seinen Platz gefunden hatte. Es war ihr erstes grünes Werk auf dem Balkon. Als sie vor zwei Monaten in die Großstadt gezogen war, hatte sie noch keine Idee, wie sie den kleinen, beschaulichen Balkon, dessen Panorama einzig und allein aus weiteren höheren Häusern bestand, gestalten würde. Nun hatte sie den ersten Schritt getan, in dem sie ihre erste Pflanze dorthin gepflanzt hatte. Zufrieden zog sie sich die Handschuhe aus und legte sie über das Balkon-Geländer. Plötzlich hörte sie es an der Türe klingeln. Sie ging rein und war nur wenig überrascht, als sie die Stimme ihrer Mutter durch die Gegensprechanlage hörte. Seit sie vor zwei Monaten hierhergezogen war, kam ihre Mutter mindestens einmal die Woche vorbei, um zu schauen, ob alles in Ordnung bei ihr war. So drückte sie ihrer Mutter die untere Haustür auf, damit sie raufkommen konnte.

Zwei Monate später pflanzte sie ihre zweite Pflanze auf dem Balkon ein. Diesmal mit ihren bloßen Händen. Die Handschuhe hatte sie damals nach dem Besuch von ihrer Mutter auf dem Balkon vergessen gehabt. Sie waren durch den Regen runtergefallen und sie hatte sie unten nicht mehr wiedergefunden. Als wären sie nicht runtergefallen, sondern als hätte der Wind sie fortgeweht. Ihre Hände gruben nun fest die Erde um und sie versuchte mit dem Hauen auf die Erde, diese stabil werden zu lassen, damit ihre neue Pflanze bloß nicht den Halt verliert. Mit ihren Tränen goss sie die Pflanze. Mit ihren erdigen Händen versuchte sie diese aus ihrem Gesicht wegzuwischen. Sie merkte gar nicht, wie Erde in ihrem Gesicht kleben blieb. Als sie fertig war, ließ sie den Topf mit der Pflanze zusammen mit dem Sack voll Erde einfach auf den Balkon stehen. Es erinnerte sie zu sehr an ihre Mutter und ihren letzten Besuch von ihr. Wie selbstverständlich sie es damals genommen hatte. Hätte sie gewusst, dass sie eine Woche später an einem Herzinfarkt sterben würde, hätte sie sie einen Moment länger in den Arm genommen. Sie hätte nur einen Moment länger mit ihr Zeit verbringen wollen. Nur ein Moment länger die Grübchen um ihren Mund und die kleinen Lachfältchen an ihren Augen beobachtet und eingeprägt. Doch der Moment war verstrichen, bevor sie ihn bewusst wahrnehmen und sich bewusst einprägen konnte. Nun stand die zweite Pflanze auf ihrem Balkon.

Der Winter war gnadenlos. Keiner der beiden Pflanzen schien dort in der eisigen Kälte überlebt zu haben. Sie starrte auf den Balkon in die graue Leere des Winters, der durch die toten Pflanzen untermalt wurde.

Der Frühling vollbrachte Wunder. Ihre erste Pflanze erwachte aus ihrem Winterschlaf. Und mit ihr die Hoffnung ihr Leben weiterzuleben. Sie plante einen Wochenendtrip in das ehemalige Ferienhaus, wo sie früher immer mit ihrer Mutter Urlaub gemacht hatte. Hoffentlich würde die Pflanze ihre kurze Abwesenheit überleben.

Sie kam wieder zurück von dem Ferienhaus am Meer, als sie es sah. Sie betrat den Balkon und der Anblick machte sie für einen Moment sprachlos. Die erste Pflanze hatte nicht nur überlebt, die zweite mit ihren bloßen Händen eingetopfte Pflanze sprieß gen Himmel. Sie war aus ihren Tränen der Vergangenheit zu neuer Blüte erwacht. Unwillkürlich musste sie lächeln. Aus der Trauer eines Verlustes entstand früher oder später immer neues Leben. Und sie wusste nun, das hier war ihr neues Leben.

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Alte Bilder

Sie schaute sich ihre alten Bilder an, die alle auf ihrem USB-Stick gespeichert waren. Während sie so durchscrollte, sah sie es. Die Bilder zusammen mit ihren längst vergangenen Liebhabern. Sie dachte daran, welcher Mensch sie an ihren Seiten gewesen war und welcher sie heute war. Sie hatte ihre Jugendlichkeit verloren. Ihre weiche Naivität war verhärteter und weiser geworden. Es war kaum noch was übrig von der Person auf den Bildern. Die unterschiedlichen Versionen ihrer Selbst, gepaart mit ihren jeweiligen Liebhabern. Neben jedem war sie eine andere Version gewesen. Die blonden Strähnchen, die rotbraunen Haaren, die komplett Blonde, die braune Kurzhaarige. Alle ließen sie anders erscheinen. Doch ihr fiel eine Sache besonders auf. Es war weniger ihr Aussehen, welches sich großartig verändert hatte. Es war ihr Inneres, welches auf den Bildern nur angedeutet wurde, jedoch vor der Kamera verborgen blieb. In keinem dieser Momente, die auf Bildern verewigt wurden, glich sie ihrer Vorgängerversion. Sie hatte sich stets gewandelt. Bis zu diesem Punkt, wo sie ohne jemanden an der Seite angelangt war. Heute war sie wieder eine andere Version. Nur diesmal war sie diese Version nur für sich selbst. Und sie fragte sich, ob sie nun die Bestmöglichste aller Versionen war.

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Die Reise der Liebende

Als ich meine Reise begann, geschah es. Ich verliebte mich hoffnungslos. Der Mann, der mir schräg in der Bahn gegenübersaß, schaute mich während unserer vierstündigen Fahrt nur zweimal an. Doch die zwei Male, wo sich unsere Augen trafen und kurz ineinander versanken, durchfuhr mich jedes Mal ein elektrischer Impulsschlag, der meinem Herzen erst einen Aussetzer gab, bevor es wild anfing zu hüpfen und zu schlagen. Die Blicke in seine tiefen hellblauen Augen brannten sich in mein Gedächtnis ein. Keiner von uns sagte ein Wort zueinander. Ob er genauso empfand wie ich? Dafür müsste ich vermutlich was sagen, ihn fragen, doch mein Mund blieb versiegelt. Stattdessen tat ich so als las ich mein Buch, wobei meine Gedanken immer wieder zu ihm wanderten. Ich zwang mich, nicht zu ihm zu sehen, wollte ich doch nicht aufdringlich sein.

Schweigend fuhren wir bis zur Endhaltestelle. Dort stieg er zuerst aus. Ich wartete noch einen Moment, in der Hoffnung er würde mich ansprechen. Stattdessen stieg er kommentarlos und ohne mich großartig anzuschauen aus dem Zug aus. Und da wusste ich es; bloß ich hatte das gefühlt.

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